Hinweis- Dieser Blog ersetzt keinen Arztbesuch oder eine Therapie !!!
Alle hier angebotenen Übungen, Hinweise und Impulse stellen keine Therapie im rechtlichen Sinne dar. Die Durchführung erfolgt eigenverantwortlich und ersetzt keine persönliche, therapeutische Beratung oder Behandlung!
Warum gibt es Angst - und warum brauchen wir sie?
Meist erleben wir Angst als etwas Negatives, als etwas, was uns im Weg steht. Fast automatisch wollen wir dieses Gefühl wegdrücken, ignorieren oder bekämpfen.
Doch jeder, der schon einmal versucht hat, die Angst aus seinem Leben zu verbannen, weiß:
Genau das funktioniert nicht.
Im Gegenteil - je stärker wir gegen die Angst ankämpfen oder versuchen diese zu vermeiden, desto mehr gewinnt sie an Kraft. Sie wird lauter, hartnäckiger und erscheint noch bedrohlicher.
Der Grund dafür ist erstaunlich einfach:
Angst möchte nicht verdrängt werden. Sie möchte gehört werden.
Was ist Angst überhaupt?
Angst ist ein uraltes Alarmsystem, das Dir signalisiert: Achtung hier könnte etwas nicht stimmen, was Dir schadet oder Dein Leben in Gefahr bringt. Sie ist ein Schutzmechanismus, ein biologisch tief verankertes Programm.
Wenn Angst aktiviert wird, reagiert unser gesamtes System: Körper, Gedanken, Emotion und Verhalten schalten auf „Gefahr" und bereiten Dich auf Kampf oder Flucht vor.
Wie Angst in Deinem System wirkt - die vier Ebenen der Reaktion
Wenn Angst durch einen äußeren oder inneren Reiz ausgelöst wird, schaltet Dein ganzer Organismus in Sekundenbruchteilen auf Alarm. Dabei reagieren vier Ebenen gleichzeitig.
Die folgenden beschriebenen Symptome sollten auch immer ärztlich abgeklärt werden, da auch körperliche Ursachen hinter einer Angsterkrankung stecken können!
Die körperliche Ebene
Dein Nervensystem aktiviert das Stressprogramm:
- Der Puls steigt
- Die Atmung wird schneller oder flacher
- Muskeln spannen sich an
- Der Magen zieht sich zusammen oder wird „flau"
- Hände werden kalt oder beginnen zu zittern
- Du beginnst zu schwitzen
Der Körper macht sich bereit für Flucht oder Kampf
Die emotionale Ebene
Neben Angst tauchen oft weitere Gefühle auf wie:
- Unsicherheit
- Hilflosigkeit
- Orientierungsunfähigkeit
- Handlungsunfähigkeit
- Das Gefühl Verrückt zu werden
Angst färbt unser inneres Erleben und lässt Situationen größer und gefährlicher erscheinen, als sie sind.
Gedankliche Ebene
unsere Gedanken werden plötzlich sehr laut und sehr eindringlich:
- „ich muss hier weg!"
- „was, wenn etwas schlimmes passiert?"
- „Ich schaffe das nicht."
Die Gedanken versuchen die Gefahr einzuschätzen, auch wenn objektiv nichts Bedrohliches da ist.
Die Verhaltensebene
Unser Körper sucht nach einer Lösung:
- Wir gehen Situationen aus dem Weg
- Wir vermeiden Gespräche oder Entscheidungen
- Wir ziehen uns zurück
- Wir erstarren und fühlen uns handlungsunfähig
Diese Reaktionen sind nicht „falsch", sie sind alte Schutzreaktionen die unser Sysem automatisch und oft unbewusst abruft.
Ab wann ist eine Angst krankhaft?
Angst ist zunächst, wie oben beschrieben, ein normales und gesundes Gefühl das jeder Mensch kennt. Sie schützt uns und macht uns aufmerksam. Doch wenn die Angst häufiger und stärker wird, als der Situation angemessen, beginnt sie das Leben einzuschränken.
1. Wenn die Angst häufiger und stärker wird
2. Wenn die Angst den Alltag beeinträchtigt
3. Wenn körperliche Symptome sehr belastend sind
4. Wenn Angst über längeren Zeitraum anhält, also über Wochen und Monate
5. Wenn Angst das Verhalten und Denken bestimmt
6. Wenn durch die Angst ein Vermeidungsverhalten entsteht
7. Wenn das Leid dadurch sehr groß wird
Welche Angststörungen gibt es?
generalisierte
Angststörung (GAS)
Dabei machen sich Betroffene, anhaltend übermäßig, große Sorgen, ohne einen konkreten Anlass.
In Bereichen wie:
- Gesundheit
- Zukunft
- Arbeit und Finanzen
- Beziehungen
- alltägliche Dinge
Panikstörung
Diese sehr intensive Angst, tritt sehr plötzlich, immer wiederkehrend und ohne erkennbare Auslöser auf. Es ist eine Angst, die innerhalb kurze Zeit mit starken körperlichen Symptomen einhergeht wie:
- Herzrasen
- Atembeschwerden
- Schwindel
- Beklemmungsgefühl
- Übelkeit
- Angst ohnmächtig zu werden oder zu sterben
spezifische Phobien
Dies ist eine Angst vor bestimmten Situationen oder Dingen z.B. vor:
- Spinnen
- Höhen
- Dem Fliegen
- Enge Räume (Klaustrophobie)
- Großen öffentlichen Plätzen und entferntes Reisen (Agoraphobie)
soziale Phobie
Diese Form der Angst ist sehr stark verbreitet und leider oft unerkannt.
Menschen haben starke ausgeprägte Angst vor:
- Bewertungen
- Gesprächen
- Präsentationen
- Sich peinlich zu Verhalten
Angst tritt sehr selten alleine auf
Angst zeigt sich nur selten in einer einzigen, klar abgrenzbaren Form. In der Praxis verschwimmen die Grenzen häufig. Menschen erleben gleichzeitig Symptome verschiedener Angststörungen - oder Angst tritt zusammen mit anderen psychischen Belastungen auf. Genau das macht Angst so komplex und individuell.
Viele Betroffene erleben eine Mischung aus unterschiedlichen Angstformen. Panikattacken können zum Beispiel dazu führen, dass mehr und mehr bestimmte Situationen gemieden werden, dies kann in eine typische Kombination von Panikstörung und Agoraphobie münden.
Andere beschreiben eine Mischung aus ständigen Sorgen und sozialer Unsicherheit, also der generalisierter Angst und sozialer Phobie.
Neben diesen Mischformen zeigt sich Angst auch oft als Begleiter anderer psychischer Diagnosen.
Besonders verbreitet ist die Verbindung von Angst und Depression. Angst erschöpft und Depression lähmt, so verstärken sich beide gegenseitig. Auch bei traumabezogenen Störungen spielt Angst eine zentrale Rolle, denn das Nervensystem bleibt dauerhaft in Alarmbereitschaft.
Angst ist eine treibenede Kraft im Hintergrund bei Esssötrungen, etwa Angst vor Kontrollverlust, Gewichtszunahme, Ablehnung oder Überforderung.
Und die Zwangstörungen möchte ich noch erwähnen, denn viele ritualisierte Handlungen dienen letztlich dazu, innere Anspannung oder befürchtete Gefahren abzuwehren.
Angst steht selten isoliert da. Sie ist oft Teil eines größeren Zusammenspiels von Gefühlen, Gedanken und Verhaltensmustern. Und genau dies Zusammenspiel zu verstehen, ist ein wichtiger Schritt, um Betroffene gezielt helfen zu können.
4 Möglichkeiten im Umgang mit Angst
1
Bewusstes Atmen
Angst bringt Dein Nervensytem in Alarmbereitschaft. Ein Weg diesen Alarm zu dämpfen, führt über den Atem: Die 47-11 Atemübung:
- 4 Sekunden einatmen
- 7 Sekunden ausatmen
- 11 mal wiederholen
Das verlängerte Ausatmen beruhigt das autonome Nervensystem und gibt Dir innerlich mehr Raum.
2
Höre kurz hin, statt wegzudrücken
Fast alle versuchen die Angst zu verdrängen, das ist ganz normal, doch das macht sie stärker.
Nimmt die Angst kurz wahr, ohne sie sofort bekämpfen zu wollen.
Frage Dich: „was will mir die Angst gerade zeigen oder mitteilen?"
Dies kann den Druck aus der Situation nehmen und stärkt die Selbstwahrnehmung.
3
Benenne Deine Angst
Wenn Du Angst in Worte fast, aktiviert Dein Gehirn Regionen, die beruhigend wirken.
„Ich nehme gerade in mir Angst wahr, weil ich unsicher bin"
Benenne strukturiert, denn schafft das erste Gefühl von Kontrolle.
4
Kleine Schritte statt Vermeidung
Vermeidung nimmt kurzfristig die Angst, verstärkt sie aber langfristig.
Hilfreicher ist, der Situation in kleinen machbaren Schritten zu begegnen.
Jede kleine Konfrontation senden Deinem Gehirn die Nachricht, das keine reale Gefahr besteht und mit der Zeit wird die Angst weniger.
Angsterkrankungen sind sehr gut
behandelbar!
Du musst Dich nicht länger von Deiner Angst kontrollieren lassen oder Dein Leben nur eingeschränkt und mit vielen Verzichtstrategien gestalten. Veränderung ist möglich, oft viel leichter, als es sich in akuten Phasen anfühlt.

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